Buch im Wohnzimmer von Schloss Kirchheim

Rührende Einblicke

Das Tagebuch der Franziska von Hohenheim

„Der heutige Tag glich auch dem Gestrigen.“ Eine der interessantesten Quellen zum Alltagsleben am Hof des württembergischen Herzogs Carl Eugen sind die Tagebuchaufzeichnungen der Franziska von Hohenheim – allerdings in höchst eigenwilliger Schreibweise!

Bücher im Schreibzimmer von Schloss Kirchheim

Wertvolle Bücher sind noch heute erhalten.

Ein persönliches Tagebuch

Franziska von Hohenheim (1748–1811) war seit 1772 die offizielle Mätresse des württembergischen Herzogs Carl Eugen und wurde später seine zweite Ehefrau. Sie lebte über 20 Jahre an seiner Seite und zog 1795 als Herzogswitwe nach Kirchheim unter Teck. In ihrem Tagebuch hatte sie die Erlebnisse der vergangenen 15 Jahre festgehalten. Auffällig dabei ist die Rechtschreibung, die stark von der damals üblichen Schreibweise abweicht.

Innenhof von Schloss Kirchheim

Franziskas „neue Wohnung“.

Franziskas Ankunft in Kirchheim

Um 6 uhr reiste ich von meinem Lieben Sindlingen ab, mein hertz wahr durch den abschit der Einwohner da äußerst Gerührt. […] Kam dann nach die 6 Uhr glücklich hier in meiner neuen wohnung an.“ So schilderte Franziska ihre Reise am 22. Januar 1795 von Sindlingen nach Kirchheim. Zuvor war ein Teil ihres Hofstaates am 8. Januar vorausgefahren, um alles für ihre Ankunft vorzubereiten: „Ein Gantzer Transbort meiner Leite nacher Kirchheim, der abschid war sehr schwer, wir weinten alle den ruhigen aufendhalt verlassen Zu müssen.

Schreibschrank eines Kirchheimer Kunstschreiners, gefertigt für das Schloss um 1730

Kostbarer Schreibschrank aus Schloss Kirchheim.

Alltagsleben im Schloss

Franziskas Alltag verlief häufig unspektakulär, sodass sich die Tage ähnelten. In ihr Tagebuch notierte sie beispielsweise am 26. Januar 1795: „Es geng nichts besonderes vor, ich hatte immer Zu raumen (räumen)“. Auch die Einträge der folgenden Wochen zeigen, wie langweilig es der Hofgesellschaft in Kirchheim gewesen sein muss: „Ich räumte wieder viel.“ (28.1.1795); „Der heutige Tag glich auch dem Gestrigen.“ (29.1.1795); „So war auch der heutige Tag.“ (30.1.1795) „Nichts besonderes viel heute vor.“ (2.1.1795). Am Mittwoch, den 11. Februar 1795 – es wäre Carl Eugens 67. Geburtstag gewesen – schrieb Franziska zum letzten Mal in ihr Tagebuch: „Es geng heute nichts besonderes vor, meine Dames fuhren wieder spatzieren […]. Abends wurde wie schon 8. Tage her in Gesellschaft mit dem Herrn v. Rieben gespilt.“

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