Landesfestung und Witwensitz Württembergs

Schloss Kirchheim

Von der Festung zur fürstlichen Wohnung; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Thomas Kiehl
Von der Festung zur fürstlichen Wohnung

Stilgeschichte

Bis heute anschaulich in Schloss Kirchheim zu erleben: die wehrhaften Strukturen der ehemaligen Landesfestung aus dem 16. Jahrhundert und die klassizistische und historistische Innenausstattung des 19. Jahrhunderts.

Wehrmauer von Schloss Kirchheim; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Andrea Rachele

Zum Trutz und Schutz.

Eine spätmittelalterliche Stadtburg

Als stärkster Teil der 1538 angelegten Festung war das Schloss letzter Rückzugsort der Verteidiger und bot zugleich die Möglichkeit der militärischen Kontrolle über Kirchheim. Daher besaß es zwei Tore: eines in die Stadt und eines direkt nach draußen. Diese Lage war für spätmittelalterliche Stadtburgen wie zum Beispiel das Alte Schloss in Stuttgart typisch. Die heutige Schlossanlage besteht zu großen Teilen noch aus der spätmittelalterlichen Bausubstanz, die ihren Verteidigungscharakter bewahrt hat.

Kirchheim unter Teck mit Befestigungsanlagen, Katasterplan von 1828; Foto: Stadtarchiv Kirchheim unter Teck

Katasterplan von 1828.

Unmoderne Festung mit einer Neuerung

Eine wirklich moderne Festung war Kirchheim nicht. Dennoch führte Herzog Christoph 1551 eine Neuerung im Festungsbau ein, die aus Italien kam. Er ließ zwei Bastionen bauen. Durch ihre spitze Form war es möglich, sich gegenseitig Flankenfeuer zu geben – kein toter Winkel mehr, durch den sich Angreifer anschleichen konnten.

Ansicht von Kirchheim unter Teck von Andreas Kieser, 1683; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Kirchheim unter Teck, Stadtansicht von Andreas Kieser, 1683.

Innenraum von Schloss Kirchheim unter Teck; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Joachim Feist

Das klassizistisch eingerichtete Wohnzimmer.

Wohnräume im Stil des Klassizismus

Herzogin Franziska von Hohenheim legte 1795 Wert auf eine zeitgemäße Umgestaltung des Schlosses. Dabei konzentrierte sie sich auf einen repräsentativeren Eingangsbereich und neuzeitliche Wohnräume im Inneren. Klare Linien, helle Farben und Möbel aus poliertem Mahagoniholz mit schlichten, an die Antike erinnernden Dekorationen prägten das Erscheinungsbild.

Aquarell des Gartenzimmers in Schloss Kirchheim, Pieter Francis Peters, 1857; Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Aquarell des Gartenzimmers, um 1857.

Veränderung im Biedermeier und Historismus

Herzogin Henriette änderte die Ausstattung der Wohnräume erneut. Die kühle Strenge der klassizistischen Möblierung wurde zugunsten von wohnlicheren Biedermeiermöbeln aufgegeben. Rundere Möbelformen sowie eine Zunahme von Gemälden, Zimmerpflanzen und kleinen Tischchen für die Handarbeit waren charakteristisch. Später kamen gepolsterte Sitzmöbel mit historistischen Formen, die an die Barockzeit erinnerten, hinzu. Bunte Teppiche und die Kombination verschiedener Stilrichtungen lassen die Zimmer aus heutiger Sicht überladen wirken.

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