Landesfestung und Witwensitz Württembergs

Schloss Kirchheim

Ungeliebt und verstossen

Johanna Elisabeth

von Württemberg

Nach der frommen Herzogswitwe Magdalena Sibylla, die den Umbau des Zeughauses in eine Schlosskapelle veranlasst hatte, zog 1735 die Herzogswitwe Johanna Elisabeth (1680–1757) ein. Sie ließ das Schloss renovieren und neu möblieren.

Ansicht des Alten Schlosses in Stuttgart; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Urheber unbekannt

Das Alte Schloss in Stuttgart.

War die Ehe Johanna Elisabeths glücklich?

Aus dynastischen Gründen hatte Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg 1697 Prinzessin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach geheiratet. Doch schon bald verließ er sie wegen einer Mätresse und hielt sich mit Vorliebe in seinem neu erbauten Schloss Ludwigsburg auf. Johanna Elisabeth lebte fortan zurückgezogen im Alten Schloss in Stuttgart. Erst nach dem tragischen Tod des einzigen Sohnes und Erbprinzen versöhnte sich der Herzog wieder mit Johanna Elisabeth – zu spät, um noch einen weiteren Thronfolger zu gebären.

Ansicht von Schloss Leonberg mit Pomeranzengarten; Foto: Staatsanzeiger für Baden-Württemberg, Cornelia Lindenberg

Schloss Leonberg mit Pomeranzengarten.

Konnte die Herzogswitwe ihren Witwensitz selbst auswählen?

Kurz vor seinem Tod verfügte Herzog Eberhard Ludwig, dass Johanna Elisabeth als Witwe nicht wie ursprünglich geplant nach Leonberg, sondern ins bequemere Schloss Kirchheim ziehen sollte. Bei seinem Nachfolger setzte die Herzogswitwe durch, dass die Wohnräume vor ihrem Einzug 1735 zeitgemäß modernisiert wurden – im Wert von 6.000 Gulden.

Ansicht von Schloss Kirchheim unter Teck

Schloss Kirchheim unter Teck.

Was veränderte die Herzogswitwe im Schloss?

Für ihre Wohnräume wurden neue Tapeten, Vorhänge, Möbel und Geschirr angeschafft. Die Schlosskapelle erhielt eine neue Empore; Kirchenstuhl, Altar und Kanzel wurden mit rotem Tuch versehen. Aus dem Möbelbestand ihres verstorbenen Sohnes ließ die Herzogswitwe Gegenstände im Schloss aufstellen, beispielsweise einen Schrank, der vermutlich von dem Kirchheimer Kunst- und Kabinettschreiner Johannes Majer stammte.

Wohnräume in Schloss Kirchheim unter Teck.

Wohnräume in Schloss Kirchheim unter Teck.

Lebte die Herzogswitwe allein im Schloss?

Der umfangreiche Hofstaat von 49 Personen musste im Schloss untergebracht werden. So lagen beispielsweise im zweiten Stock neben der Wohnung von Johanna Elisabeth die Zimmer der Prinzessinnen und Gesellschafterinnen. Im ersten Stock befanden sich dagegen die Wohnräume des Hofmeisters Baron von Gemmingen sowie der Pagen und Edelknaben. Hier wohnte auch der Vikar, der für sie die Abendpredigt in der Schlosskapelle hielt.

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