Porträt der Herzogin Franziska von Hohenheim, heute in Schloss Kirchheim

Berühmteste Bewohnerin des Schlosses

Franziska von Hohenheim

Als Witwe bezog Franziska von Hohenheim (1748–1811) das Schloss. Doch schon zu Beginn ihrer Verbindung mit Carl Eugen spielte Kirchheim eine wichtige Rolle. Bis heute berühmt ist sie, weil sie den wilden Herzog von Württemberg zum guten Landesvater erzogen haben soll – eine Legende?

Porträt des Herzogs Carl Eugen

Herzog Carl Eugen.

Wann begann die Beziehung mit Herzog Carl Eugen?

Das erste Mal kam Franziska 1771 mit ihrem Ehemann, dem Kammerherrn Baron von Leutrum, nach Kirchheim. Hier nahmen sie an einer Jagdveranstaltung des Herzogs Carl Eugen teil. Die 23-jährige Franziska erregte schnell die Aufmerksamkeit des Herzogs. Nur wenige Monate später ernannte Carl Eugen sie zu seiner offiziellen Mätresse und Franziska ließ sich von ihrem Mann scheiden. Franziska heiratete 1785 den Herzog, nachdem dessen erste Ehefrau gestorben war – und wurde offiziell Herzogin von Württemberg.

Gefiel Franziska das Schloss Kirchheim?

Sie empfand es als unmodern und beauftragte vor ihrem Einzug 1795 den Architekten Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer. Er verlieh dem Gebäude mehr schlossartigen Charme, vor allem durch die repräsentative Durchfahrt im Erdgeschoss und das geräumige Treppenhaus. Franziskas Wohnräume erhielten ansehnliche Öfen, dezenten Stuck und seidene Wandbespannungen in modischen Farben oder Papiertapeten. Aus den Schlössern Hohenheim und Solitude wählte sie klassizistische Möbel und Ziergegenstände aus, ein Porträt des Herzogs hängte sie im Gesellschaftszimmer auf.

Ansicht eines Portals von Schloss Kirchheim

Portal von Schloss Kirchheim.

Hatte Carl Eugens Witwe Personal?

Insgesamt lebte Franziska zwar beschaulich, doch keineswegs so einfach, wie immer behauptet wird. Ihr Hofstaat umfasste ca. 50 Personen. Dazu zählten neben Kammerfrauen, Dienern und Lakaien ein Tafeldecker, ein Kaffeesieder, eine Leibwäscherin, mehrere Kutscher und Gärtner sowie ein Friseur und ein französischer Koch mit dem Namen Henri Frommage. Mit ihr lebten zwei adlige Kavaliere und zwei Hofdamen, die alle zu ihrer Verwandtschaft gehörten. Häufig kamen ihre in Kirchheim ansässige Schwester und andere Honoratioren der Stadt zu Besuch.

Wo liegt Franziska begraben?

Franziska war eine fromme und angesehene Frau. Als sie am 1. Januar 1811 an Krebs starb, wurde die Beisetzung mit höfischem Prunk zelebriert. Ihr Leichnam war zwei Tage im Schloss aufgebahrt, sodass sich die Kirchheimer Bürger verabschieden konnten. Anschließend folgte die Überführung des Sargs in die Martinskirche, begleitet von einem pompösen Trauerzug mit Militäreskorte. Eine Gedenktafel erinnert noch heute an die Grabstätte in einer Gruft unter dem Chor.

Innenraum der Martinskirche in Kirchheim unter Teck
Sarg der Herzogin Franziska von Hohenheim

Der Sarg mit Franziskas sterblichen Überresten befindet sich in der Gruft unter dem Chor der Martinskirche.

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