Darstellung eines Hirschs im Kirchheimer Wald

Höfisches Treiben im Kirchheimer Wald

Das Jagdvergnügen

Vor allem im Herbst begab sich Herzog Carl Eugen mit seinem Hofstaat auf die Jagd – wie viele andere Fürsten auch. Jagdausritte in die Wälder der Umgebung von Kirchheim standen genauso auf dem Programm wie Ausflüge zur Burg Teck, Spielabende oder Opernaufführungen.

Porträt des Herzogs Carl Eugen

Herzog Carl Eugen.

Die Akten geben Auskunft

Herzog Carl Eugens aufwendige Jagden auf der Solitude oder in Kirchheim unter Teck sind auf vielfältige Weise dokumentiert. Für den Herrscher und seine Umgebung ein Zeitvertreib, für die Verantwortlichen ein riesiger Aufwand! Aus den Hofakten – heute im Landesarchiv Baden-Württemberg – lässt sich ablesen, welcher logistische Aufwand nötig war, um alle Begleiter zu verköstigen und einzuquartieren. Ebenso sind das Festprogramm für die Hofgesellschaft und die Kosten der mehrwöchigen Hofjagden belegt.

Kirchheim bereitet sich vor

Am 28. September 1771 traf Carl Eugen mit einem Gefolge von insgesamt 411 Personen in Kirchheim unter Teck ein. Da das Schloss mit 45 Zimmern zu klein für so viele Gäste war, wurden die meisten bei Bürgern in der Stadt und in den Gasthöfen einquartiert – ein hoher organisatorischer Aufwand für die städtischen Beamten! Da der Hof während des Landaufenthaltes nicht auf den gewohnten Luxus verzichten wollte, reisten Köche, Konditoren, Friseure, Schneider und das Opernpersonal samt Ballett mit.

Plan des nicht ausgeführten Schlosstheaters für Schloss Kirchheim unter Teck

Plan des nicht ausgeführten Schlosstheaters.

Ein Opernhaus für Kirchheim

Während des mehrwöchigen Jagdaufenthaltes in Kirchheim gab es fast jeden Abend eine andere Unterhaltung für den Hofstaat. Bereits 1767, anlässlich eines früheren Jagdaufenthaltes, hatte der Herzog die Hofgärtnerei zu einem Opernhaus ausbauen lassen. Den Umbau leitete der Theatermaschinist Christian Keim, der auch das große Opernhaus in Ludwigsburg errichtet hatte. Im September und Oktober 1771 wurden insgesamt zehn Vorstellungen gegeben, allerdings standen nur fünf verschiedene Opern auf dem Spielplan.

Porträt der Herzogin Franziska von Hohenheim

Franziska von Hohenheim.

Ein verliebter Herzog

Zum Gefolge von Herzog Carl Eugen gehörte seine offizielle Mätresse, die Opernsängerin Catharina Bonafini. Sie war seit mehreren Jahren seine Lebensgefährtin und hatte ihm zwei Kinder geboren. Doch bei diesem Aufenthalt war alles anders. Nur ein einziges Mal, am 9. Oktober 1771, durfte die Bonafini mit dem Herzog auf die Pirsch. Carl Eugen hatte sich während des Kirchheimer Aufenthalts in die junge Franziska von Leutrum verliebt und das Verhältnis zu Madame Bonafini kühlte merklich ab.

Fürstlicher Hofstaat beim Scheibenschießen in Schloss Kirchheim

Fürstlicher Hofstaat beim Scheibenschießen.

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