Luftansicht von Schloss Kirchheim

Sechs Witwen in vier Jahrhunderten

Das Gebäude

Von den vielen herzoglichen Familienmitgliedern, die in den vergangenen 400 Jahren Schloss Kirchheim unter Teck bewohnten, hinterließen die beiden Herzoginnen Franziska von Hohenheim und Henriette von Württemberg die stärksten Spuren.

Außenansicht des Eckturms von Schloss Kirchheim

Außenansicht des Eckturms.

Herrschaftliche Wohnräume im zweiten OG

Seit dem 17. Jahrhundert wohnten immer wieder die Witwen der württembergischen Herzöge in Schloss Kirchheim. Wenn nach dem Tod des Herrschers ein neuer Landesherr in die Residenz einzog, musste die Witwe des Vorgängers standesgemäß untergebracht werden. Das war bereits im Ehevertrag so geregelt. Den fürstlichen Witwen stand im zweiten Obergeschoss des Südflügels, in der „Beletage“ von Schloss Kirchheim, ein Appartement zur Verfügung. Die Räume ließ fast jede Bewohnerin neu und zeitgemäß einrichten.

Blick die Enfilade der herrschaftlichen Räume von Schloss Kirchheim entlang

Enfilade: Räume wie an einer Perlenschnur aufgefädelt.

Eine Enfilade für die Witwe

Zwischen dem Treppenhaus und den eigentlichen Wohnräumen befinden sich das ehemalige Sommerspeisezimmer und ein vieleckiger Saal im Eckturm. Daran schließt die Raumfolge an, bestehend aus 13 Zimmern. Sie sind in zwei Reihen hintereinander angeordnet. Ein schmaler Dienerschaftsgang trennt sie. Die Räume wirken wie aufgefädelt, auf Französisch „enfilade“. Gefolge und Dienerschaft mussten übrigens mit weniger luxuriösen Unterkünften vorliebnehmen.

Porträt von Herzogin Franziska von Hohenheim

Porträt von Herzogin Franziska von Hohenheim.

Franziska von Hohenheim

1793, nach dem Tod Herzog Carl Eugens, bezog seine Witwe Franziska die Schlossräume. Sie beauftragte den Architekten Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer. Er sorgte mit breiteren Portalen für mehr Eleganz. Auf dem Dach der Kasematten kamen zwei Zimmer dazu, außerdem ein Garten. Ausstattung aus den Schlössern Solitude und Hohenheim gab den Räumen Glanz und weckte Erinnerungen an das Leben mit dem Herzog. Typisch für Franziska war der Eindruck von Bescheidenheit und zugleich Vornehmheit.

Aquarell des Gartenzimmers in Schloss Kirchheim, Pieter Francis Peters, 1857

Das Gartenzimmer in Schloss Kirchheim in einem Aquarell von Pieter Francis Peters, 1857.

Henriette von Württemberg und ihre grosse Familie

Die heutige Einrichtung der Schlossräume spiegelt vor allem die Wohnsituation unter Henriette von Württemberg. Sie lebte ab 1811 in Schloss Kirchheim unter Teck, anfangs noch mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern. Und sie verbrachte ihre 40-jährige Witwenzeit in diesen Räumen. Wie ihre Wohnung aussah, zeigen mehrere Aquarelle aus den 1850er-Jahren. Mit liebevollem Detailreichtum stellen sie die Zimmereinrichtungen der Henriette-Zeit dar – eine präzise Vorlage für die Wiedereinrichtung der Zimmer.

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