Als Gegenleistung für das Heiratsgut, das eine Fürstin in die Ehe einbrachte, wurde ihr meist schon im Heiratsvertrag ein Witwensitz bestimmt. Er sollte in erster Linie die Versorgung der Ehefrau nach dem Tod ihres Mannes sichern, und zwar unabhängig von seinen Nachfolgern. Der Umfang eines Wittums richtete sich danach, was die Braut in die Ehe eingebracht hatte und nach ihrer Herkunft, also ihrem Stand. Zugleich hing es natürlich vom Vermögen des betreffenden Fürsten ab.
Der Fürst trat mit der Heirat einige Rechte und Einkünfte der festgelegten Liegenschaften an seine Frau ab. Im Gegenzug huldigten die Bürger dieser Städte der Fürstin und erkannten ihre Rechte an. Göppingen, Leonberg, Nürtingen, Böblingen, Stetten und Kirchheim dienten als württembergische Witwensitze. Fortan standen der Witwe die Nutznießung aller ihr übertragenen Güter, Steuern und Fronverpflichtungen wie zum Beispiel umfangreiche Holzlieferungen zu.
Die württembergischen Witwen entfalteten oft ein segensreiches Regiment in „ihren“ Städten, vor allem auf sozialem Gebiet. Allerdings blieb der Wirkungsradius auf den engen Raum des Wittums beschränkt. Sie waren nicht dazu verpflichtet, den Witwensitz zu bewohnen. Lebten sie dort, hing es ganz entscheidend von ihnen selbst ab, ob ihre Witwensitze mehr dynastischen „Abschiebeorte“ oder kulturell-politischen Mittelpunkten glichen.
Ab 1628 diente die ehemalige Landesfestung Kirchheim unter Teck sechs württembergischen Herzogswitwen als Witwensitz. Eine von ihnen war Maria Dorothea Sophie von Öttingen-Öttingen: Beim Einfall der Franzosen 1688 während des Pfälzischen Erbfolgekrieges rettete ihre Bittschrift an den französischen Kommandanten die Stadt vor der Zerstörung.
Eine andere ist heute noch bekannter: Franziska von Hohenheim, die zweite Ehefrau von Herzog Carl Eugen, die als Witwe von 1795 bis 1811 im Kirchheimer Schloss lebte. Im Gegensatz zu Magdalena Sybilla oder der nachfolgenden Witwe Henriette führte sie ein ruhiges, zurückgezogenes Leben in kleinem Kreis.
Im Dezember 1811 bezog die Familie des Herzogs Ludwig von Württemberg das Kirchheimer Schloss. Nach seinem Tod 1817 verbrachte Henriette von Württemberg hier ihre mehr als 40-jährige Witwenschaft. Zunächst lebte sie mit ihren Töchtern im Schloss, das die jüngste Tochter als letzte 1830 verließ. Henriette besaß vielfältige Verbindungen in den Hochadel Europas: So empfing sie viele Besucher in Kirchheim und war selbst immer wieder auf Reisen. Dennoch engagierte sie sich ab 1821 aktiv für das Gemeinwohl der Stadt.