Die Schlosseinrichtung unter Herzogin Henriette
Als Herzogin Henriette von Württemberg mit Gemahl und fünf Kindern in Schloss Kirchheim unter Teck einzog, beherbergte es erstmals in seiner Geschichte eine Familie. Jeder Raum erfuhr eine neue Nutzung. Diese wiederum passte sich im Laufe der Jahre den sich ändernden Bedürfnissen der Familie an.
Reizvolle Raumansichten des 19. Jahrhunderts vermitteln eine ganz unmittelbare Anschauung vom Wohnen Henriettes. Speisesaal, Salon, Wohn-, Schlaf- und Gartenzimmer sind bis ins kleinste Detail geschildert: von den zahllosen Familienbildern und Andenken über die damals in Mode kommenden Zimmerpflanzen bis zum bequem ausstaffierten Sitzplatz mit der angefangenen Handarbeit.
Am Beispiel des Wohnzimmers lässt sich die Veränderung der Einrichtung über drei Jahrzehnte hinweg verfolgen. Die älteste Darstellung des Wohnzimmers, um 1825 entstanden, gestattet fast noch einen Blick in das klassizistisch-sparsame Ambiente der Franziska von Hohenheim. Herzogin Henriette hatte von der Vorbewohnerin manche der eleganten Mahagonimöbel übernommen.
Eine 1852 entstandene Ansicht zeigt die zeittypische Tendenz die Räume dichter auszustatten. Henriette hatte die Einrichtung mit zahlreichen biedermeierlichen und historistischen Möbeln ergänzt und mit einem raumgroßen Teppich, Vorhängen und Portieren ausgestattet.
Wohl kurz nach Henriettes Tod 1857 entstand eine Ansicht, die wiedergibt, wie sich die Einrichtung in wenigen Jahren in verschiedenen Details geändert hat: Etwa ist die Auswahl der Bilder eine andere und es sind andere Polstermöbel abgebildet. Am rechten Bildrand ist ein vorher nicht vorhandenes Rokokotischchen zu erkennen.
„Das liebe alte Kirchheimer Schloss mit seinen von Andenken aller Zeiten gefüllten Räumen“ – mit diesen Worten schwärmte die Hofdame Eveline von Massenbach nach einem Besuch bei Herzogin Henriette. Etwas mehr von diesem „Andenken“ ist mit dem Jubiläumsjahr der Herzogin Henriette wieder in Schloss Kirchheim eingezogen.