Der Stettener Wein der herzoglichen Hofdame
Bis heute hält sich die Behauptung, dass sich eine Hofdame der Herzogin Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt (1652-1712) durch ihre persönlichen Enttäuschungen im Leben heimlich ein wenig dem Alkohol verschrieben hatte. Um weiter als fromme und vorbildliche Edelfrau aufzutreten, ließ sie wohl das berühmte Deckelkrüglein aus Steingut herstellen, in das man nicht hineinsehen konnte. Fragte sie nun ein Neugieriger, was sich denn in diesem Krug befände, so antwortete sie: „Ha, dees isch Brotwasser!“ Brotwasser war in dieser Zeit ein Getränk der Bauern, bestehend aus in Wasser eingelegten Brotrinden, die etwas gegärt hatten. In Wahrheit befand sich in ihrem Krüglein guter Stettener Wein. Noch heute wird eine der besten Weinlagen für Riesling nach dieser Begebenheit „Brotwasser“ genannt.
Herzogin Franziskas Tagebuch
Aufgrund des relativ kleinen Hoffstaats, hauptsächlich aus Familienmitgliedern bestehend, konnte der Kirchheimer Witwenhof in der Zeit von Herzogin Franziska von Hohenheim (1748-1811) nie mehr als eine provinzielle Bedeutung erlangen. Die Tage verstrichen immer wieder nach demselben Schema, sodass die fleißige Tagebuchschreiberin kaum noch etwas zu berichten wusste. Am 26. Januar 1795 ist zu lesen: „Es geng nichts besonderes vor, ich hatte immer Zu raumen (räumen).“ Auch die Einträge der folgenden Wochen zeigen, wie langweilig es der kleinen Hofgesellschaft in Kirchheim gewesen sein muss: „Ich räumte wieder viel“ (28.1.1795); „Der heutige Tag glich auch dem Gestrigen.“ (29.1.1795); „So war auch der heutige Tag.“ (30.1.1795) „Nichts besonderes viel heute vor.“ (2.1.1795). Am Mittwoch den 11. Februar 1795 – es wäre Herzog Carl Eugens 67. Geburtstag gewesen – schrieb Franziska zum letzten Mal in ihr Tagebuch: „Es geng heute nichts besonderes vor, meine Dames fuhren wieder spatzieren u. ich verkaufte was an einen Juden. Abends wurde wie schon 8. Tage her in Gesellschaft mit dem hE(rrn) v. Rieben gespilt.“
Erinnerungen der Hofdame Baronin Eveline von Massenbach
„Frau Herzogin Henriette von Württemberg (1780-1857) ... durfte ich brieflich nahetreten. 6 Jahre dauerten meine Beziehungen zu dieser würdigen, lieblichen Matrone, viele ihrer reizenden, von Gefühl und Humor sprühenden, mit Bleistift geschriebenen Briefchen habe ich aufgehoben. ... Vergangene Woche war ich in Kirchheim; die wenigen dort verbrachten Stunden bei einer so ehrwürdigen, geistreichen und so reich von Herz und Erinnerungen erfüllten Frau haben mir soviel Gutes gegeben. Sie versteht es, eine strenge Frömmigkeit mit heiterem und ermutigendem Wesen für die Jugend zu verbinden. ... Es war mir ein Hochgenuß, bei der lieben Greisin zu verweilen, welche, beinahe wieder zu Kräften gekommen, mich abwechselnd belehrte, heiter neckte und immer mehr in tiefster Anhänglichkeit fesselte. Wenn ich ihr vorlas, musste ich ins Hörrohr sprechen, dann verstand sie mich gut. ... Frau Herzogin war im Volke unendlich beliebt durch ihre Frömmigkeit, ihr Wohltun; bis auf die Kinder ging ihre Popularität über.“