Zu den frühen Wissenschaften gehörte die Alchemie. Neben der Suche nach dem Verfahren, aus unedlen Stoffen Gold herstellen zu können, forschte man auch nach dem Stein der Weisen oder nach einem Allheilmittel. Das Interesse der europäischen Fürsten lag aber verständlicherweise hauptsächlich in der Gewinnung von Gold: Sie ließen Laboratorien für Experimente einrichten und riefen Alchemisten aus aller Herren Länder an ihren Hof. Doch diese entpuppten sich nicht selten als Scharlatane und so geriet die Suche nach der richtigen Herstellungsweise zum kostenspieligen Abenteuer ohne handfeste Ergebnisse.
Herzog Friedrich I. von Württemberg (1593-1608) förderte die Alchemie an seinem Hof in Stuttgart. Doch nicht genug: Am Rande von Kirchheim unter Teck kaufte er einen Adelssitz und ließ ein weiteres Laboratorium einrichten. Hier arbeiteten und forschten nacheinander drei Alchemisten. Doch keiner konnte dem Herzog das ersehnte Gold liefern.
Heinrich Nüscheler war der erste Alchemist in Kirchheim. Sein Leben fand 1601 ein jähes Ende am Galgen, da er einer wirkungslosen Tinktur, die angeblich Blei in Gold verwandeln konnte, heimlich das Edelmetall beigefügt hatte. Sein Nachfolger Alexander Stocker hatte ebenfalls kein Glück, konnte seinen Kopf aber durch eine findige Verteidigung aus der Schlinge ziehen: Er behauptete, dass der Vertrag mit dem Herzog nie Erfolgsgarantien beinhaltet habe. Der dritte und letzte Alchemist, Hans Heinrich von Mühlenfels, war ebenso erfolglos. Nachdem er zwei Jahre lang kaum Gold nach Stuttgart gesendet hatte, gestand er unter grausamer Folter seine Betrügereien und wurde zum Tod am Galgen verurteilt. Die erfolglose und kostenintensive Suche nach Gold war für den Auftraggeber höchst blamabel: Herzog Friedrich I. stellte keine weiteren Alchemisten unter Vertrag und löste sein Alchemistenlabor in Kirchheim unter Teck auf.